Frau und Beruf Female Talents
All Episodes
Clever bewerben: So überzeugst du heute Unternehmen

Clever bewerben: So überzeugst du heute Unternehmen

0:00|0:00

Tipps für moderne Bewerbungen: Unterlagen, KI im Recruiting und ein souveränes Vorstellungsgespräch.

Themenseite Bewerben: https://www.frauundberuf-bw.de/bewerbung-frauen

This show was created with Jellypod, the AI Podcast Studio. Create your own podcast with Jellypod today.


Chapter 1

Intro

Stefanie Marquardt

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Female Talents - der Podcast von Frau und Beruf Baden-Württemberg. Ich bin Stefanie Marquardt ...

Marlene Birkner

...und ich bin Marlene Birkner. Schön, dass ihr wieder dabei seid! Stefanie, heute sprechen wir über ein Thema, das wahrscheinlich jede von uns schon einmal beschäftigt hat und vielleicht auch ein bisschen Nerven gekostet hat: das Bewerben.

Stefanie Marquardt

Oh ja! Ich glaube, fast jede Frau kennt dieses Gefühl. Man hat den Lebenslauf aktualisiert, das Anschreiben mehrfach überarbeitet, jede Formulierung noch einmal geprüft, auf "Senden" geklickt ... und dann beginnt das Warten.

Marlene Birkner

Und währenddessen kreisen die Gedanken. Ist die Bewerbung überhaupt angekommen? War sie gut genug? Hat sie schon jemand gelesen? Oder liegt sie noch irgendwo in einem digitalen Postfach?

Stefanie Marquardt

Genau deshalb wollen wir heute einmal die Perspektive wechseln. Denn viele wissen gar nicht, was mit einer Bewerbung eigentlich passiert, nachdem sie abgeschickt wurde. Und wenn man diesen Prozess versteht, kann man seine Unterlagen viel gezielter darauf ausrichten.

Marlene Birkner

Wir schauen heute also einmal hinter die Kulissen. Wie Unternehmen Bewerbungen heute bearbeiten. Welche Rolle Künstliche Intelligenz spielt. Wie ihr eure Bewerbung überzeugend gestaltet. Und natürlich sprechen wir auch über das Vorstellungsgespräch.

Stefanie Marquardt

Denn eine gute Bewerbung besteht heute aus weit mehr als einem schönen Lebenslauf. Sie erzählt eure berufliche Geschichte - klar, authentisch und passend zu der Stelle, auf die ihr euch bewerbt.

Marlene Birkner

Stefanie, lass uns zunächst darüber sprechen, was eigentlich genau mit einer Bewerbung passiert. Ich glaube, viele stellen sich den Bewerbungsprozess noch so vor wie früher. Da landet eine Bewerbung auf dem Schreibtisch der Personalabteilung und jemand liest sie von vorne bis hinten. Ist das heute überhaupt noch so?

Stefanie Marquardt

Manchmal schon. Aber in den meisten Unternehmen läuft der erste Schritt inzwischen digital. Die Bewerbung geht über ein Bewerbungsportal oder per E-Mail ein und wird zunächst in einem sogenannten Bewerbermanagementsystem erfasst. Das hilft Unternehmen dabei, den Überblick zu behalten - gerade wenn viele Bewerbungen eingehen.

Marlene Birkner

Also kein schwarzes Loch, sondern eher ein digitales Ordnungssystem.

Stefanie Marquardt

Ganz genau. Und deshalb lohnt es sich auch, die Hinweise in der Stellenanzeige genau zu lesen. Welche Unterlagen werden gewünscht? Soll die Bewerbung über ein Portal hochgeladen werden oder per E-Mail erfolgen? Wer diese Vorgaben beachtet, macht den Personalverantwortlichen die Arbeit leichter - und zeigt gleichzeitig Sorgfalt.

Marlene Birkner

Das klingt selbstverständlich, aber ich glaube, genau da passieren viele kleine Fehler. Mal fehlt ein Dokument. Mal hat die Datei einen kryptischen Namen wie "Lebenslauf_neu_final_final3.pdf".

Stefanie Marquardt

Ja, diese Dateinamen kennen wir wahrscheinlich alle. Dabei wirkt es gleich viel professioneller, wenn die Unterlagen klar benannt sind. Zum Beispiel Vorname_Nachname_Lebenslauf oder Vorname_Nachname_Bewerbung. Das sind Kleinigkeiten - aber sie vermitteln einen ersten Eindruck. Und genau dieser erste Eindruck beginnt heute oft schon, bevor überhaupt jemand den Lebenslauf gelesen hat.

Marlene Birkner

Apropos erster Eindruck. Viele fragen sich bestimmt, ob heute eigentlich schon eine KI darüber entscheidet, wer eingeladen wird.

Stefanie Marquardt

Das wird häufig vermutet, aber die Realität ist etwas differenzierter. Einige größere Unternehmen nutzen tatsächlich digitale Systeme oder KI-gestützte Funktionen, um Bewerbungen zu sortieren oder schneller den passenden Stellen zuzuordnen. Das bedeutet aber nicht, dass eine Maschine allein entscheidet. Gerade in Deutschland wird die eigentliche Auswahl in den meisten Fällen immer noch von Menschen getroffen. Die Technik unterstützt den Prozess - sie ersetzt ihn nicht.

Marlene Birkner

Das beruhigt wahrscheinlich viele. Trotzdem heißt das doch: Die Bewerbung sollte so aufgebaut sein, dass sie sowohl für Menschen als auch für digitale Systeme gut lesbar ist.

Stefanie Marquardt

Ganz genau. Und deshalb ist mein wichtigster Tipp: Orientiert euch immer an der Stellenanzeige. Welche Kompetenzen werden gesucht? Welche Aufgaben werden beschrieben? Welche Begriffe tauchen immer wieder auf? Wenn diese Kompetenzen tatsächlich zu euch passen, dann sollten sie sich auch in eurem Lebenslauf wiederfinden. Nicht künstlich eingebaut - sondern dort, wo ihr sie wirklich erworben habt.

Marlene Birkner

Also nicht versuchen, irgendwelche Schlagwörter unterzubringen, sondern die eigene Erfahrung verständlich beschreiben.

Stefanie Marquardt

Genau. Und noch etwas wird oft unterschätzt. Personalverantwortliche haben häufig nur wenig Zeit für die erste Sichtung. Deshalb hilft ein klar strukturierter Lebenslauf enorm. Wer auf einen Blick erkennt, welche Erfahrungen ihr mitbringt und welche Kompetenzen euch auszeichnen, bleibt eher im Gedächtnis.

Marlene Birkner

Eigentlich ist das wie bei einem guten Zeitungsartikel. Die wichtigsten Informationen stehen nicht ganz am Ende. Sondern dort, wo sie schnell gefunden werden.

Stefanie Marquardt

Schöner Vergleich. Und deshalb lohnt es sich auch, den Lebenslauf regelmäßig zu aktualisieren. Nicht erst dann, wenn man sich bewerben möchte. Viele stellen dann plötzlich fest, dass sie sich an Projekte, Weiterbildungen oder Erfolge der letzten Jahre gar nicht mehr genau erinnern.

Marlene Birkner

Das kenne ich. Man denkt: "Ach, das schreibe ich später auf." Und drei Jahre später weiß man gar nicht mehr, wie viele Projekte man eigentlich geleitet oder welche Fortbildung man gemacht hat.

Stefanie Marquardt

Genau deshalb empfehle ich, den Lebenslauf als lebendiges Dokument zu verstehen. Er entwickelt sich mit der eigenen Karriere weiter. Und wenn dann eine spannende Stelle auftaucht, müsst ihr ihn nicht komplett neu schreiben - sondern nur noch gezielt anpassen.

Marlene Birkner

Das finde ich einen schönen Gedanken. Die Bewerbung beginnt also nicht erst, wenn ich auf "Jetzt bewerben" klicke. Sie beginnt eigentlich schon viel früher.

Stefanie Marquardt

Ganz genau.

Marlene Birkner

Stefanie, ich glaube, viele kennen dieses Gefühl: Man entdeckt eine spannende Stelle und fragt sich sofort: "Passe ich überhaupt?" Und kaum öffnet man den Lebenslauf oder das Anschreiben, kommt schon der nächste Gedanke: "Wie fange ich bloß an?"

Stefanie Marquardt

Das geht ganz vielen so. Und ich glaube, der größte Fehler passiert oft schon am Anfang. Viele schreiben ihre Bewerbung aus ihrer eigenen Perspektive. Sie erzählen, was sie bisher gemacht haben. Viel wichtiger ist aber eine andere Frage: Welches Problem möchte das Unternehmen mit dieser Stelle lösen?

Marlene Birkner

Das finde ich spannend. Also nicht: "Was möchte ich erzählen?" Sondern: "Was möchte das Unternehmen wissen?"

Stefanie Marquardt

Richtig. Die Stellenanzeige ist eigentlich eine Einladung zum Gespräch. Zwischen den Zeilen steht dort schon ziemlich genau, welche Aufgaben anstehen, welche Kompetenzen gebraucht werden und welche Persönlichkeit gesucht wird. Deshalb lohnt es sich, die Anzeige wirklich aufmerksam zu lesen - am besten sogar zweimal. Beim ersten Mal verschafft man sich einen Überblick. Beim zweiten Mal markiert man die wichtigsten Anforderungen.

Marlene Birkner

Und genau diese Anforderungen sollten sich dann in der Bewerbung wiederfinden?

Stefanie Marquardt

Ja - aber nicht einfach als Schlagworte. Sondern mit konkreten Beispielen. Wenn in der Anzeige zum Beispiel steht: "Sie arbeiten gern eigenverantwortlich." Dann reicht es nicht zu schreiben: "Ich arbeite eigenverantwortlich." Viel überzeugender ist ein Beispiel: "In meiner bisherigen Position habe ich eigenständig Projekte koordiniert und Termine mit verschiedenen Fachbereichen abgestimmt." Das macht Fähigkeiten greifbar.

Marlene Birkner

Das ist eigentlich wie der Unterschied zwischen einer Behauptung und einem Beweis.

Stefanie Marquardt

Ganz genau. Und genau deshalb empfehle ich immer: Zeigt, was ihr gemacht habt. Nicht nur, wie ihr euch selbst beschreibt.

Marlene Birkner

Lass uns über das Anschreiben sprechen. Da herrscht ja inzwischen ziemliche Verunsicherung. Braucht man überhaupt noch eins?

Stefanie Marquardt

Das kommt tatsächlich auf das Unternehmen an. Manche verzichten inzwischen bewusst darauf. Andere wünschen es ausdrücklich. Wenn ein Anschreiben verlangt wird, solltet ihr diese Chance unbedingt nutzen. Nicht, um euren Lebenslauf noch einmal nachzuerzählen. Sondern um zu erklären: Warum interessiert euch genau diese Aufgabe? Warum dieses Unternehmen? Und warum seid ihr die richtige Person dafür?

Marlene Birkner

Also lieber Persönlichkeit zeigen als Standardfloskeln?

Stefanie Marquardt

Unbedingt. Sätze wie: "Hiermit bewerbe ich mich..." oder "Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenausschreibung gelesen..." lesen Personalverantwortliche wahrscheinlich jeden Tag mehrfach. Viel spannender ist ein Einstieg, der neugierig macht. Zum Beispiel, indem ihr beschreibt, was euch an der Aufgabe besonders reizt oder warum euch genau dieses Unternehmen anspricht.

Marlene Birkner

Ich glaube, viele Frauen tun sich gerade an dieser Stelle schwer. Sie möchten nicht zu selbstbewusst wirken.

Stefanie Marquardt

Das beobachte ich auch. Dabei geht es gar nicht darum, sich größer zu machen. Sondern sichtbar zu machen, was man bereits kann. Viele Frauen schreiben zum Beispiel: "Ich durfte das Projekt begleiten." Oder: "Ich war an der Einführung beteiligt." Dabei haben sie vielleicht die Projektplanung übernommen, Workshops organisiert oder ein Team koordiniert. Diese Leistungen dürfen auch so benannt werden. Das ist keine Angeberei. Das ist eine realistische Beschreibung der eigenen Arbeit.

Marlene Birkner

Mir gefällt dieser Gedanke. Selbstbewusst heißt nicht überheblich. Sondern klar.

Stefanie Marquardt

Exakt. Und noch etwas möchte ich Frauen besonders mitgeben: Lasst euch nicht von jeder einzelnen Anforderung abschrecken. Viele Unternehmen formulieren in Stellenanzeigen ein Idealprofil. Wenn ihr die wichtigsten Kompetenzen mitbringt und bereit seid, Neues zu lernen, lohnt sich eine Bewerbung oft trotzdem. Perfektion ist selten die Voraussetzung. Entwicklungspotenzial dagegen schon.

Marlene Birkner

Das nimmt, glaube ich, vielen den Druck.

Stefanie Marquardt

Ja. Und deshalb empfehle ich auch immer, vor dem Abschicken noch einmal einen kleinen Perspektivwechsel zu machen. Stellt euch vor, ihr seid die Person, die eure Bewerbung zum ersten Mal liest. Versteht ihr sofort, was eure Stärken sind? Wird deutlich, warum ihr euch für genau diese Stelle interessiert? Und bleibt am Ende ein Satz oder eine Erfahrung im Gedächtnis? Wenn ihr diese Fragen mit Ja beantworten könnt, seid ihr schon einen großen Schritt weiter.

Marlene Birkner

Und manchmal hilft dabei auch eine zweite Meinung. Eine Freundin. Ein ehemaliger Kollege. Oder die Beraterinnen der Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg. Denn oft sehen andere Stärken, die einem selbst gar nicht mehr auffallen.

Stefanie Marquardt

So ist es, Marlene. Die Kontaktstellen unterstützen Frauen nicht nur bei der beruflichen Orientierung, sondern auch ganz konkret beim Bewerbungsprozess - vom Lebenslauf über das Anschreiben bis hin zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Gerade wenn man nach einer Familienphase zurückkehrt, sich beruflich neu orientiert oder unsicher ist, lohnt sich diese individuelle Beratung.

Marlene Birkner

Und damit kommen wir zu einem Thema, das gerade viele bewegt. Denn inzwischen sitzt beim Bewerben oft noch jemand mit am Tisch. Nicht sichtbar. Aber trotzdem beteiligt. Künstliche Intelligenz.

Stefanie Marquardt

Genau. Wie KI euch beim Bewerben unterstützen kann - und wie Unternehmen KI im Recruiting einsetzen - darüber sprechen wir jetzt.

Marlene Birkner

Stefanie, wenn man gerade über Bewerbungen spricht, kommt man an einem Thema eigentlich nicht mehr vorbei: Künstliche Intelligenz. Und ich habe das Gefühl, viele sind hin- und hergerissen. Die einen nutzen ChatGPT inzwischen ganz selbstverständlich. Andere sagen: "Das fühlt sich irgendwie nach Schummeln an."

Stefanie Marquardt

Ja, diese Unsicherheit begegnet mir auch immer wieder. Dabei lohnt es sich, die Perspektive einmal zu wechseln. Denn KI ist längst nicht mehr nur auf der Seite der Bewerberinnen angekommen. Auch viele Unternehmen setzen inzwischen KI oder intelligente Software im Recruiting ein.

Marlene Birkner

Das heißt, bevor überhaupt ein Mensch meine Bewerbung liest, schaut vielleicht schon eine Software darauf?

Stefanie Marquardt

Teilweise ja. Vor allem größere Unternehmen nutzen Bewerbermanagementsysteme, die den Auswahlprozess unterstützen. Diese Programme helfen dabei, Bewerbungen zu sortieren, Unterlagen zu verwalten oder Qualifikationen mit den Anforderungen einer Stelle abzugleichen. Das bedeutet aber nicht, dass eine KI entscheidet, wer eingestellt wird. Die Entscheidung treffen nach wie vor Menschen. Die Technik unterstützt den Prozess - sie ersetzt ihn nicht.

Marlene Birkner

Das finde ich wichtig zu wissen. Denn manchmal entsteht der Eindruck, man müsse seine Bewerbung nur noch für eine Maschine schreiben.

Stefanie Marquardt

Und genau das wäre der falsche Weg. Eine gute Bewerbung sollte immer zuerst für Menschen verständlich und überzeugend sein. Gleichzeitig hilft es natürlich, wenn die wichtigsten Kompetenzen, die in der Stellenanzeige genannt werden, sich auch ehrlich in den eigenen Unterlagen wiederfinden. Nicht, weil man ein System austricksen möchte. Sondern weil deutlich wird, dass die eigenen Erfahrungen tatsächlich zu der ausgeschriebenen Stelle passen.

Marlene Birkner

Also nicht mit Schlagwörtern überfrachten. Sondern die Sprache der Stellenanzeige verstehen?

Stefanie Marquardt

Ganz genau. Wenn dort zum Beispiel von Projektmanagement, Kundenkommunikation oder Prozessoptimierung die Rede ist und genau das zu euren bisherigen Aufgaben gehört, dann sollte sich das auch im Lebenslauf oder Anschreiben widerspiegeln. Viele Frauen beschreiben ihre Tätigkeiten übrigens viel allgemeiner, als sie tatsächlich waren. Und genau da kann KI helfen.

Marlene Birkner

Jetzt wechseln wir also die Seiten. Wie kann KI Bewerberinnen sinnvoll unterstützen?

Stefanie Marquardt

Ich sehe KI vor allem als Sparringspartner. Nicht als Ghostwriter. Zum Beispiel könnt ihr euren Lebenslauf analysieren lassen. Oder fragen: "Welche Kompetenzen aus meinem Lebenslauf passen besonders gut zu dieser Stellenanzeige?" Das ist oft erstaunlich hilfreich.

Marlene Birkner

Oder man lässt sich verschiedene Formulierungen vorschlagen?

Stefanie Marquardt

Genau. Viele Frauen schreiben sehr zurückhaltend. Da wird aus einer verantwortungsvollen Aufgabe schnell: "Ich war beteiligt..." Oder: "Ich habe unterstützt..." Eine KI kann helfen, solche Formulierungen klarer und aktiver zu gestalten. Zum Beispiel: "Ich habe die Einführung eines neuen Systems koordiniert." Oder: "Ich war verantwortlich für..." Wenn das den Tatsachen entspricht, ist das keine Übertreibung - sondern eine präzisere Beschreibung der eigenen Leistung.

Marlene Birkner

Das gefällt mir. KI macht aus einer zurückhaltenden Formulierung nicht automatisch Eigenlob. Sie hilft einfach dabei, den eigenen Beitrag sichtbarer zu machen.

Stefanie Marquardt

Ganz genau. Und noch etwas kann KI hervorragend: Vorstellungsgespräche simulieren.

Marlene Birkner

Das stelle ich mir tatsächlich spannend vor. Wie funktioniert das?

Stefanie Marquardt

Ihr könnt der KI zum Beispiel sagen: "Führe mit mir ein Bewerbungsgespräch für eine Stelle als Projektmanagerin." Oder: "Stell mir kritische Fragen zu meinem beruflichen Wiedereinstieg." Oder auch: "Übe mit mir eine Gehaltsverhandlung." Das Schöne daran ist: Man kann Antworten ausprobieren. Man kann nachfragen. Man kann Unsicherheiten abbauen. Und das alles in einem geschützten Rahmen.

Marlene Birkner

Gerade wenn man länger kein Vorstellungsgespräch mehr geführt hat, kann das unglaublich hilfreich sein.

Stefanie Marquardt

Absolut. Oder denkt an Frauen, die sich beruflich neu orientieren. Viele fragen sich: "Wie erkläre ich meinen Quereinstieg?" Auch solche Gespräche lassen sich wunderbar üben.

Marlene Birkner

Aber wahrscheinlich gibt es auch Grenzen.

Stefanie Marquardt

Unbedingt. Und die sollte man kennen. Eine KI kennt euch nicht. Sie kennt eure Persönlichkeit nicht. Sie weiß nicht, warum euch genau diese Stelle begeistert. Und sie kann auch keine echte Begeisterung erzeugen. Deshalb sollte niemals eine komplette Bewerbung ungeprüft übernommen werden. Lest jeden Satz noch einmal kritisch. Fragt euch: "Würde ich das im Vorstellungsgespräch genauso sagen?" Wenn die Antwort Nein lautet, dann gehört der Satz auch nicht in die Bewerbung.

Marlene Birkner

Ich glaube, das ist der entscheidende Punkt. KI kann Struktur geben. Sie kann Ideen liefern. Sie kann Sprache verbessern. Aber sie kann euch nicht ersetzen.

Stefanie Marquardt

Ganz genau. Und wisst ihr, was ich eigentlich am schönsten finde? KI nimmt vielen Frauen die Angst vor dem leeren Blatt Papier. Sie hilft beim Einstieg. Den Rest - eure Erfahrungen, eure Motivation und eure Persönlichkeit - bringt ihr selbst mit. Und genau das macht am Ende den Unterschied.

Marlene Birkner

Damit haben wir jetzt über Bewerbungsunterlagen gesprochen, über KI und darüber, was Unternehmen heute erwarten. Aber irgendwann kommt der Moment, vor dem viele den größten Respekt haben. Das Vorstellungsgespräch.

Stefanie Marquardt

Und genau darum geht es jetzt. Wie ihr euch gut vorbereitet, souverän auftretet und zeigt, was wirklich in euch steckt.

Marlene Birkner

Stefanie, ich glaube, viele Frauen empfinden das Vorstellungsgespräch als den schwierigsten Teil des gesamten Bewerbungsprozesses. Die Bewerbung ist abgeschickt, die Einladung kommt - und plötzlich geht das Gedankenkarussell los. "Was ziehe ich an?" "Welche Fragen kommen?" "Was ist, wenn ich einen Blackout habe?"

Stefanie Marquardt

Und weißt du was? Ich glaube, genau diese Gedanken haben fast alle. Auch Menschen, die schon viele Bewerbungsgespräche geführt haben. Ein bisschen Nervosität gehört einfach dazu.

Marlene Birkner

Das beruhigt. Aber wie bereitet man sich eigentlich gut vor, ohne jede mögliche Frage auswendig zu lernen?

Stefanie Marquardt

Der wichtigste Schritt ist überraschend einfach: Beschäftigt euch noch einmal intensiv mit dem Unternehmen. Was macht das Unternehmen? Welche Produkte oder Dienstleistungen bietet es an? Welche Werte vertritt es? Und vor allem: Warum möchtet ihr genau dort arbeiten? Denn genau diese Frage kommt fast immer.

Marlene Birkner

Und ich glaube, genau dort unterscheiden sich gute Antworten von Standardantworten.

Stefanie Marquardt

Ganz genau. "Ich suche eine neue Herausforderung." Das sagen wahrscheinlich viele. Spannender ist zu erzählen, warum euch genau diese Aufgabe begeistert. Oder warum euch die Unternehmenskultur anspricht. Oder welche Erfahrungen ihr künftig einbringen möchtet. Je persönlicher die Antwort ist, desto glaubwürdiger wirkt sie.

Marlene Birkner

Und dann gibt es natürlich diese klassischen Fragen nach den eigenen Stärken oder Schwächen. Vor denen haben viele Respekt.

Stefanie Marquardt

Ja. Dabei geht es den meisten Personalverantwortlichen gar nicht darum, perfekte Antworten zu hören. Sie möchten verstehen, wie jemand über sich selbst reflektiert. Deshalb empfehle ich immer: Antwortet ehrlich. Aber bleibt lösungsorientiert. Wenn ihr eine Schwäche nennt, zeigt auch, wie ihr damit umgeht. Das wirkt authentisch und zeigt Lernbereitschaft.

Marlene Birkner

Mir hat einmal jemand einen Tipp gegeben, den ich nie vergessen habe. Nicht einfach behaupten: "Ich bin teamfähig." Sondern erzählen, wann Teamarbeit wirklich wichtig war.

Stefanie Marquardt

Das ist ein hervorragender Tipp. Personalverantwortliche erinnern sich viel besser an Geschichten als an Schlagworte. Deshalb lohnt es sich, für die wichtigsten Stationen im Lebenslauf jeweils ein oder zwei konkrete Beispiele parat zu haben. Welche Herausforderung gab es? Wie seid ihr vorgegangen? Und was war das Ergebnis?

Marlene Birkner

Also lieber erzählen als aufzählen.

Stefanie Marquardt

Richtig. In vielen Unternehmen orientieren sich Vorstellungsgespräche heute an sogenannten verhaltensorientierten Fragen. Da geht es nicht nur darum, ob ihr etwas könnt, sondern wie ihr in bestimmten Situationen gehandelt habt. Ein guter Aufbau hilft dabei: Beschreibt kurz die Situation, eure Aufgabe, euer Vorgehen und das Ergebnis. So werden eure Antworten nachvollziehbar und konkret.

Marlene Birkner

Und jetzt möchte ich noch über etwas sprechen, das viele vergessen. Man selbst darf nämlich auch Fragen stellen.

Stefanie Marquardt

Unbedingt! Und ehrlich gesagt freue ich mich immer, wenn Bewerberinnen eigene Fragen mitbringen. Das zeigt Interesse und Vorbereitung. Fragt zum Beispiel nach der Einarbeitung. Nach Weiterbildungsmöglichkeiten. Nach der Zusammenarbeit im Team. Oder danach, wie Erfolg in dieser Position gemessen wird.

Marlene Birkner

Das zeigt doch auch, dass man sich wirklich Gedanken gemacht hat.

Stefanie Marquardt

Genau. Und noch ein Thema wird immer wichtiger: Videointerviews. Viele erste Gespräche finden inzwischen online statt. Deshalb lohnt es sich, vorher die Technik zu testen. Kamera. Mikrofon. Internetverbindung. Und auch der Hintergrund sollte ruhig und ordentlich sein. Das wirkt professionell - und gibt Sicherheit.

Marlene Birkner

Und wenn wir schon beim Thema Sicherheit sind: Was ist eigentlich mit Gehaltsvorstellungen? Viele Frauen tun sich damit schwer.

Stefanie Marquardt

Das stimmt. Deshalb empfehle ich immer, sich vorher gut zu informieren. Welche Gehälter sind in der Branche üblich? Welche Verantwortung bringt die Stelle mit? Mit einer realistischen Gehaltsspanne geht man deutlich entspannter ins Gespräch. Und ganz wichtig: Das eigene Können nicht unter Wert verkaufen.

Marlene Birkner

Ich finde, heute zieht sich ein Gedanke durch die ganze Folge. Vom Lebenslauf über die Bewerbung bis zum Vorstellungsgespräch. Es geht immer darum, die eigenen Fähigkeiten sichtbar zu machen.

Stefanie Marquardt

Richtig. Nicht lauter zu sein. Nicht perfekter zu sein. Sondern klar zu zeigen, was ihr könnt, was euch motiviert und welchen Beitrag ihr leisten möchtet.

Marlene Birkner

Wenn wir unsere heutige Folge in drei Gedanken zusammenfassen müssten - welche wären das?

Stefanie Marquardt

Der erste: Eine gute Bewerbung beginnt nicht mit schönen Formulierungen. Sondern damit, dass ihr versteht, was das Unternehmen sucht.

Marlene Birkner

Der zweite: Nutzt moderne Werkzeuge wie KI ruhig als Unterstützung. Aber bleibt dabei immer authentisch. Denn eure Persönlichkeit kann keine künstliche Intelligenz ersetzen.

Stefanie Marquardt

Und der dritte: Ein Vorstellungsgespräch ist keine Prüfung. Es ist ein Gespräch auf Augenhöhe. Nicht nur das Unternehmen entscheidet, ob ihr ins Team passt. Auch ihr entscheidet, ob das Unternehmen zu euch und eurem Leben passt.

Marlene Birkner

Wenn ihr euch gerade bewerben möchtet, nach einer Familienphase wieder einsteigen oder den nächsten Karriereschritt plant, dann schaut gerne auf der Plattform Frau und Beruf Baden-Württemberg vorbei. Auf der Themenseite Bewerbung findet ihr viele weitere Informationen - von Bewerbungsunterlagen über das Vorstellungsgespräch bis hin zu aktuellen Entwicklungen im Bewerbungsprozess. Außerdem unterstützen euch die regionalen Kontaktstellen mit einer individuellen und kostenfreien Beratung.

Stefanie Marquardt

Den Link zur Themenseite und zu den Kontaktstellen findet ihr wie immer in unseren Shownotes.

Marlene Birkner

Und falls euch diese Folge gefallen hat, freuen wir uns natürlich, wenn ihr unseren Podcast abonniert oder ihn an andere Frauen weiterempfehlt, die gerade vor einer Bewerbung stehen. Wir sind jetzt auch auf Spotify.

Stefanie Marquardt

Vielen Dank, dass ihr heute wieder dabei wart. Bleibt neugierig, vertraut auf eure Stärken und traut euch, den nächsten Schritt zu gehen.

Marlene Birkner

Bis zum nächsten Mal bei Female Talents - dem Podcast von Frau und Beruf Baden-Württemberg.